Wave Gotik Treffen Festivalbericht - 2007

  • Festivalbericht

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    WGT 2007


    Das WGT und seine Besucher haben Tradition in Leipzig, und so fanden sich auch zu den diesjährigen Pfingsttagen wieder tausende schwarze Seelen ein um dem alljährlichen Spektakel beizuwohnen – von rund 20 000 ist die Rede. Wie immer wurde sehr viel geboten und für jeden Geschmack war etwas dabei. Von zahlreichen Konzerten der über 160 Bands verschiedenster Stilrichtungen von Elektro bis Klassik, über tolle mittelalterliche Märkte bis hin zu Kinofilmen und Lesungen.

    Ein Highlight dieses Jahr war sicherlich eine Veranstaltung mit dem Namen „Monumentum II“ am Völkerschlachtdenkmal welche inoffiziell das Festival eröffnete. Das Denkmal wurde im perfekten Einklang von Musik der Band „In the Nursery“ und Lichteffekten in Szene gesetzt und versetzte das Publikum sichtlich in Staunen. Da für alle zugänglich, war dies eine tolle Idee auch einmal ein kleines Dankeschön an die Leipziger Einwohner zu richten, die nun schon 16 Jahre lang die WGT Besucher herzlich und mit offenen Armen empfangen. Schade war nur, dass es die ganze Zeit in Strömen geregnet hat und „In the Nursery“ hin und wieder von grollenden Donnerschlägen begleitet wurden.

    Im allgemeinen betrachtet, wurde der Schirm dieses Jahr generell zu einem treuen Begleiter – sei es für die brennende Sonne bei Temperaturen um 30° am Nachmittag oder die Sintflutartigen Regengüsse abends die wie Gift waren für die tollen Outfits, fantasievoll geschminkten Gesichter und aufwändig gestalteten Frisuren. Da zerlief ein stundenlang dauerndes Make-up schon mal in kürzester Zeit. Entweder während der Fahrt in der Straßenbahn (welche einer Sauna glich) oder einem der vielen Wolkenbrüche. Doch so wirklich die Laune verdorben hat dieses April-Wetter niemandem.

    Erstmalig beteiligte sich in diesem Jahr auch das Gewandhaus am Festival. Es wurde klassische Musik geboten: 2 Aufführungen von Verdis Oper Requiem die bei den Besuchern auf reges Interesse stießen, sodass man Mühe hatte noch einen der begehrten Plätze zu ergattern. Die ausgegebenen Karten waren schneller weg als man gucken konnte und so mussten zahlreiche Gäste nach langem Anstehen gar vertröstet werden.

    Einen ähnlichen Andrang gab es beim Schauspielhaus am Sonntagnachmittag. Dort traten nacheinander Estampie und Qntal auf. Es war sehr traurig, dass man mehr als 2h eher dort sein musste um überhaupt noch mit hinein zu kommen. Vor den Türen des Schauspielhauses warteten sicher noch 3mal mehr Menschen als es drinnen Sitzplatze gab. Es ist frustrierend 2 Stunden in der brennenden Sonne zu stehen um dann wieder fort geschickt zu werden. Man hätte sicher ahnen können dass vor allem Qntal sehr viel Publikum anziehen. Nichts desto trotz - hat man das wahnsinnige Gedränge gut überstanden und den rettenden Eingang erreicht, konnte man sich wenig später zurücklehnen und 2 fantastische Konzerte in einem ganz besonderen Ambiente genießen. Gänsehaut war da zweifellos vorprogrammiert. „Ihr verhaltet euch wie gepflegtes Kulturpublikum“ entgegnete Michael der in beiden Bands mitwirkte mit einem Lächeln auf den Lippen. Die „Zuschauer“ zeigten ihre Begeisterung am Ende mit einer Standing Ovation und minutenlangen Applaus.

    Ein weiterer, immer sehr schöner Teil des WGTs sind auf jeden Fall auch die beiden Mittelaltermärkte. Zum einen auf der Moritzbastei und zum anderen im Heidnischen Dorf am Torhaus Dölitz. Dort kann man allerlei bunten Handel treiben, gemütlich zusammensitzen und mittelalterliche Musik genießen. Spielleuten mit Schalmei, Trommel und Dudelsack wie beispielsweise die Dudelzwerge, Heidenlärm, Dunkelschön oder Faun konnte man den ganzen Tang lang lauschen. Am späteren Abend wurde mit der Band „Van Langen“ auch Mittelalter-Rock-Musik geboten. Weiterhin gab es Märchenstunden, einen Sklavenmarkt mit Jungfrauenversteigerung und Kampfspiele der Wikinger. Im Heidnischen Dorf kann man auch ganz lecker essen. Neben allerlei gebratenem vom Grill, süßen getrockneten Früchten und frischen Erdbeereis gab dieses Jahr einen Stand der Gulaschsuppe in kleinen Töpfen aus Brot angeboten hat – sehr originell und man konnte die Verpackung mitessen. Es fehlen mehr solche Ideen. Der Met mit dem man dort seinen Durst löschen konnte war zwar sehr lecker, doch lagen dann am späteren Abend überall leere Flaschen und auch genug anderer Müll herum. Das zerstört die Idylle dieses Ortes und es sieht wirklich unschön aus, wenn die feinen Damen mit ihren oft so herrlichen Kleidern über eine mit Müll übersäte Wiese schreiten müssen oder man rund um die Decke auf der man sitzt im Dunkeln nur noch weiß schimmernde Flecken im Gras sieht...

    Wer sich aber lieber vor dem so wechselhaften Wetter nach „drinnen“ flüchten wollte für den bot das Kino Cinestar die Ideale Gelegenheit dazu. Schon vormittags konnte man sich dort ausgewählte Filme wie „Pans Labyrinth“ oder „Das Parfum“ ansehen und einfach nur die Klimaanlage genießen. Es wurde aber noch weitaus mehr geboten, so z.B. die ein oder andere DVD Vorstellung (u.a. Paradise Lost und Lacrimosa), Lesungen (Christian von Aster, Thomas Sabottka). Nicht zu vergessen die vielen Bands und Künstler die sicht dort zu Autogrammstunden eingefunden haben.

    Thomas Sabottka stand übrigens auch am Samstag mit der Band ASP die im Volkspalast ein Akustikkonzert gab auf der Bühne und trug Teile seiner Interpretation des ASP-Titels „Hässlich“ vor. Überhaupt hätte das ganze auch eher unter dem Namen „ASP & Friends“ laufen können, da er nicht der einzige Gast war. Oliver „SaTyr“ und Lisa von Faun Spielten jeweils einen Song mit der Band, sowie Hubert Kah (Neue Deutsche Welle, Sternenhimmel). So gab es die Ballade "Mein Herz erkennt dich immer" zum allerersten Mal live on Stage mit dem zarten Stimmchen der Faun-Sängerin und die Weltpremiere vom neuen Hubert Kah – Song „Ave Maria“ auf die Ohren.

    Es fanden natürlich weitere tolle Akustik-Konzerte in dieser dafür schier perfekt geeigneten Kuppelhalle statt. Nur mit Gitarre und der schönen Stimme von Sängerin Greta gaben beispielsweise die „Untoten“ ein kleines Repertoire ihrer Lieder zum Besten.
    Auch hier hatte man jeweils Mühe noch einen guten Platz zu bekommen und ihn auch zu behaupten – gefühlte 40°C machten das schwierig. Es kamen immer mehr Menschen und der Volkspalast platze förmlich aus allen Nähten. In den Gängen außen rotierten kontinuierlich 2 Ringe im „Schleichtempo“ gegeneinander und in Lücken die für eine Person schon zu eng waren, fanden mindestens noch 3 weitere Platz.

    Das schöne am WGT ist ja, dass die über 20 Veranstaltungsorte über die ganze Stadt verstreut sind und man so nicht auf ein kleines Gelände zusammengedrängt wird. Dennoch gibt es das Agra-Gelände. Das sind mehrere zusammenhängende zweckentfremdete Messehallen und nicht zu vergessen ein riesiger Zeltplatz der wie jedes Jahr von Zelten nur so übersät war. Eine der großen Hallen war wie immer zur Verkaufshalle umfunktioniert in der man allerlei Dinge erwerben konnte. Dominierend waren Stände mit Schmuck, Klamotten und Schuhen sowie solche an denen man Musik erwerben konnte. Wenn man aber einmal näher hingeschaute, konnte man ebenfalls allerlei ausgefallene Sachen finden, so z.B. Vampirzähne die vor Ort angefertigt wurden, Kunsthaarteile in allen Farben und Formen und einen Stand der „Gothic Make-up Academy“ an dem sich jeder kunstvoll Schminken lassen konnte. Sogar Sonnenblenden fürs Auto mit dem passenden Aufdruck „Sonne macht albern“ gab es. Alles in allem wirkt sich ein Bummel durch diese Halle aber nicht gerade schonend auf das Portemonnaie aus.

    Nebenan befindet sich die Agra-Konzert-Halle in der wie jedes Jahr wieder namhafte Bands aufgetreten sind. So z.B.. am Samstag Abend Front 242, eine der etabliertesten Elektronik Bands überhaupt und damit ein wahres Aushängeschild der Electronic Body Music, oder Rotersand, ein deutsches Trio was sich ebenfalls der Elektronischen Musik verschrieben hat. Am Sonntag konnte man dort unter Anderem ein zweites und diesmal „richtiges“ ASP-Konzert erleben auf dem mal wieder „alles brannte“. The 69 Eyes aus Finnland spielten gleich danach. Die Halle war jeweils sehr gut gefüllt, um nicht zu sagen brechend voll. Eine tolle Show bot auch die Band The Crüxshadows aus Florida (USA), die als Mitternachtsspezial angekündigt wurde. Rogue, der Frontmann und Sänger dieser Formation deren Musikstil sich als Mix aus Dark Wave, elektrischen Geigenmelodien, Tanzbaren Synthie-Grooves und leicht rockenden Gitarrenchords beschreiben lässt, suchte mehr den Kontakt zum Publikum als er auf der Bühne Stand was bei selbigen sichtlich große Begeisterung hervorrief.

    Am Montag Abend findet in dieser Agra-Halle fast schon traditionell das große mittelalterliche WGT-Finale statt, diesmal u.a. mit Faun (einer deutschen Band die Paganfolk spielt), den Seelenfunken mit ihrer tollen Feuershow und Subway to Sally die die Halle am späten Montagabend zum Abschluss noch einmal so richtig zum kochen brachten.
    Insgesamt betrachtet war das Aufgebot an wirklich großen und bekannten Bands dieses Jahr gegenüber den vorherigen allerdings etwas magerer.

    Dafür war es umso besser geeignet neue und kleinere Bands besser kennen zu lernen.
    So z.B. „Staubkind“ - das Solo-Projekt des Terminal Choice-Mitglieds Louis Manke. Nachdem es 2 Jahre Lang eher ruhiger um diese Band war, schrien sie auf dem diesjährigen WGT förmlich heraus „wir sind wieder da“ und spielten mehrere Lieder aus dem im Herbst erscheinenden neuen Album. Ein weiteres Beispiel ist die Band „Coppelius“ deren Bandmitglieder allesamt aus dem 19. Jahrhundert stammen und auf der Bühne mit Gehrock, Frack, Zylinder und einem Butler auftreten. Der Stil der Band orientiert sich an Iron Maiden und es gehören auch einige ihrer Lieder als Cover in neuer Interpretation zum Repertoire von Coppelius. Allerdings setzt die Band statt E-Gitarren und E-Bass, Cello, Kontrabass und Klarinetten ein. Eine sehr gute Live Band mit einer wirklich interessanten Live-Show.

    Für die wirklichen Nachteulen der schwarzen Szene wurden natürlich auch Veranstaltungen bis in die frühen Morgenstunden geboten. In einer kleineren Halle auf dem Agra-Gelände fanden Abend für Abend tolle Disco- und Tanzveranstaltungen statt in deren Rahmen namhafte DJ’s auflegten. Auch im Werk II konnte man sich nach den Konzerten noch richtig austoben, allerdings fanden die „When we were young“ Parties diesmal aufgrund so großer Beliebtheit im Volkspalast statt. Im Darkflower, einer der wichtigsten schwarze-Szene-Clubs von Leipzig wurde in der Nacht zum Samstag um 4 die neue CD von Marilyn Manson vorgestellt. Darüber hinaus gab es eine Welle: Erdball Party, sowie eine weitere Record Release Party und eine „Prominente Cocktailstunde“ mit Bruno Kramm von der Band „Das Ich“. Man konnte sich sozusagen seinen exklusiven Cocktail mal von einer ganz besonderen Person mixen lassen. Davon abgesehen sorgten auch dort bekannte DJ’s in der übrigen Zeit für gute Stimmung so z.B. DJ Johan Van Roy vom Suicide Commando oder DJ Mr. Petersen - Combichrist.
    Die Absintherie Sixtina, eine kleine Kneipe mitten im Zentrum Leipzigs, zeigte im eigenem kleinen Hof- und Kellerkino zu später Stunde klassische Filme wie „der kleine Vampir“ oder „Secretary“. In den tiefen Gemäuern dieser Kultkneipe konnte man ebenfalls eine Fotoausstellung von Th. Adorff zum Thema Fetisch bewundern. Für ganz Hartgesottene gab es sogar ab 9 Uhr morgens Absinthfrühstück.

    Allerdings schweben auch ein paar düstere Wolken - im übertragenen Sinne - über dem diesjährigen WGT. Im UT-Connewitz – ein altes kleines Filmtheater welches einer der vielen Veranstaltungsorte innerhalb des Festivals darstellt – wurden Konzerte der Bands „Desiderii Marginis“, „Brighter Death Now“, „Coph Nia“ und „Stormfagel“ aufgeführt. Ungünstig gewählt befand sich dieses kleine Theater in einem Viertel Leipzigs in dem viele Personen der linken Szene zu Hause sind. Einige vermuteten fälschlicherweise hinter dem musikalischen Spektrum der oben aufgeführten Bands rechtsradikale Beiträge und versammelten sich zeitweise (bis zu 70 Personen) vorm Eingang und bedrängten und behinderten WGT Besucher die sich dem "military Style" verschrieben hatten. Weiterhin verprügelten sie 2 Feindflug Fans, welche ihre Sympathie durch tragen von Band-Shirts zeigten.

    Bedauerlicherweise kam es auch zu übergriffen auf Straßenbahnen und Bussen die von bisher unbekannten Personen mit Pflastersteinen attackiert wurden. Die Steine durchschlugen die Scheiben und verletzten mehrere friedliche Passagiere. Traurige Vorfälle auf einem sonst so friedlichen Festival.

    Fazit: das WGT 2007 war auf den ersten Blick nicht so spektakulär wie sonst, und es gab auch leider einiges zu tun für die Leipziger Polizei. Es war aber trotzdem gelungen und auf jeden Fall einen Besuch wert gewesen. Es gab viel zu sehen und zu erleben und in diesem Sinn kann man optimistisch auf ein WGT 2008 blicken.