Wave Gotik Treffen Festivalbericht - 2006

  • Festivalbericht

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  • Wave Gotik Treffen Festivalbericht - 2006

    Neulich, also zu Pfingsten, habe ich mich auf den gar nicht mal so weiten Weg nach Leipzig gemacht um mich in das lebhafte Treiben der Halbtoten zu stürzen. Mal wieder war Freitagabend alles vor der Agra voll, dennoch fand ich vorerst einen guten Parkplatz, von dem es nicht weit zur Kasse war. Am Kassenstand war weder viel los, noch kamen einen die Mitarbeiter besonders gestresst vor. Freundlichkeit umgab sie und man fühlte sich bei ihnen angenehm Empfangen. Nun mit Parkvignette und Bändchen bewaffnet wurde auch das Gefährt an den Platz befördert an dem es die nächsten paar Tage ausharren muss. Gaaanz hinten. Also wurde erstmal das nötigste zusammengepackt und Richtung Agra marschiert.

    Ich reihte mich also in die obligatorische Völkerwanderung Campingutensilienbepackter Schwarzkittel rein, machte aber statt einem Zeltplätzchen zu suchen, den Abstecher in den Presseclub um mir meinen hübschen Ausweis abzuholen. Keine zwei Minuten Später fanden es schwarz-gelb bekleidete Muckibudenbesucher sehr spannend mal in einer Fototasche zu herumzustöbern. Weder Objektive, noch Blitz und ebenso wenig Kamera wurden als Anschlagswaffe identifiziert, somit durfte ich doch die heilige Halle. Wie immer war am Eingang viel Platz, während direkt vor der Bühne ein Orgie aus drücken und Stoßen zelebriert wurde. Ein paar Bekanntschaften weiter (die man beim WGT an jeder Ecke trifft) konnte ich auch gleich den Weg nach draußen erkennen und machte mich Zielsicher auf den Weg. Anhand meiner akribischen Vorbereitung auf dieses Treffen habe ich mir für den Freitagabend ein viel besseres Schmankerl ausgesucht, als das gequirle der Agra. Ich stolperte also erstmal zurück zum Gefährt um mich meiner unhandlichen Utensilien zu entledigen damit ich später zu dem wichtigsten Konzi des Tages, ja des ganzen Wochenendes, genug Körperfreiheit haben konnte. Also die zwei(tausend) Kilometer hin und zurück und ab in die Straßenbahn. Schon von der überfüllten Straßenbahn aus, sah ich das Schild ‚ab hier zwei stunden Wartezeit’. Man möge es mir verzeihen, dass ich im Alleingang dieses völlig Ignorierte und mich anhand meiner kämpferischen Natur für eine Wartezeit von etwa zehn Minuten entschied. Endlich drinnen im Werk 2, in dem es eigentlich die interessantesten Wesen zu betrachten gibt, suchte ich mir ein angenehmes Plätzchen, dass ich mir (leider) mit zwei, später drei, halbstarken Jünglingen teilen musste, die schon am ersten Tag von willigen Gruftieschlampen berichteten – wie schade dass sie gerade dieses Jahr in Beziehung standen. Na zumindest brachten sie mit ihren Gesprächen, die sie so lautstark rüberbrachten, dass ich nicht entweichen konnte, die Wartezeit etwas um. Das Beste was sie aber von sich gaben war, dass ich doch nun endlich mein Sex-Idol auf der Bühne stehen sehen kann … ich belächelte dies debil und enthielt mich ihnen zu sagen, dass mein Sex-Idol momentan zuhause sitzt und sich Butterbrote schmiert. Aber nun mal zu denjenigen, der es schafft meinen Körper in Aktion zu setzen und aus mir Tanzähnliche Bewegungen holt – was in einem restlos Überfüllten und kochenden Werk zwo ziemlich Sch***e ist. Ich muss damit sagen, dass es nicht das beste Konzert war bei dem Andy LaPlegua auf der Bühne alles gab, aber durch ihn war zumindest der Freitagabend gerettet. So entschwand ich nach diesem Auftritt auch auf schnellstem Wege dem Lustig-schwarzen Treiben um mir eine Mütze Schlaf zu gönnen.

    Ich muss zugeben, dass ich wohl auf noch keinem WGT soviel ge- und verschlafen habe wie auf diesem. Zum einen lag es wohl an der abstrusen Unlust, am Wetter und an den heraufkommenden Krankheitserscheinungen. Samstag verschlief ich dann erstmal ein mir eigentlich wichtige Treffen mit einer Regionalen Nachwuchsband (Zyklus :N: legte schließlich schon auf dem Franken-Schwarz eine tolle Nummer hin). Eh zu spät ging ich halt sehr langsam zum nächsten Treffen über. Es war wohl schon gegen drei, als ich meinen Luxuskörper im Massenbeförderungsmittel an andere quetschen musste um auf die andere Seite der Welt, äh, der Stadt zu gelangen. Dies überstanden und dem nieselnden Wassermassen gegenüberstehend musste wieder die Straßenbahn benutzt werden – nächstes Ziel: Heidnisches Dorf. Endlich Gedudel aus dem Sack und anderes Geleier. Ja, wenn der Regen nicht gewesen wäre, hätte ich diesem Nachmittag sicher einiges Gutes Abgewinnen können, aber irgendwie schien es mir als ob der Himmel Depression herunterrieseln lässt. Irgendwie feucht und unwohl schlich ich mich doch von dannen um mir vor dem Schwarz(en) Markt einen herrlich warmen Met zu beschaffen und mich mit ihm in den Markt zu stürzen. Leider ist feuchte wärme kaum angenehmer als feuchte Kälte und meine Stimmung konnte sich aller Versuche nicht wirklich erhellen. Ebenso wenig trat bei mir ein Kaufrausch ein, mit welchen sich humanoide im Normalfall behelfen. Ich schoss also noch ein paar Wesen auf, vor, neben und weit weg von der Bühne ab und wartete auf die After-Show-Party. Diese mundete mir dann aber ebenso wenig wie das Wetter, denn ich bin kein Anhänger ständig wechselnder Musikrichtungen. Es wäre etwas feines gewesen, zumindest einen Tick Strategie im Aufbau der Playlist zu erkennen, aber kaum hatte man einen Rhythmus gefunden, kam ein völlig anderer. Wie kann man so was erschöpften, dauergestressten Marathon-Festival-Besuchern zumuten? Naja, ein paar Leute waren doch gelegentlich auf der Tanzfläche, obwohl man dort wohl noch den meisten Platz hatte. Also, wieder einmal recht früh in die Kiste und bemerken dass man irgendwie zu alt dafür ist, sich mit allem zufrieden zu geben. Der Sonntag war dann eher kurz und schmerzlos. Nach einen kurzen Irrfahrt durch Leipzig und einem noch kürzerem Stadtbummel (man muss sich ja irgendwo was zu essen beschaffen) und dem Wissen dass es nicht besser hier wird, beschloss ich am späteren Nachmittag mein Auto erst wieder in der Vertrauten Heimat zu verlassen. Auf Wiedersehen Leipzig, bis nächstes Jahr!